Countdown Freiberg gestartet: 4transfer nutzt Minecraft für Wissenschaftskommunikation
25.06.2026

Mit „Countdown Freiberg“ ist ein neues digitales Format der Wissenschaftskommunikation online: Das Minecraft-basierte Spiel macht aktuelle Forschung der TU Bergakademie Freiberg erstmals in einer interaktiven Spielwelt erlebbar. Entwickelt im Rahmen von 4transfer, verfolgt das Projekt das Ziel, ein Best-Practice-Beispiel für die Ansprache junger Zielgruppen zu schaffen. Nach der feierlichen Veröffentlichung am 24. Juni 2026 in der Reichen Zeche in Freiberg richtet sich der Blick nun darauf, wie das Angebot angenommen wird und welche Wirkung es entfaltet.
Für 4transfer steht hinter dem Projekt eine zentrale Frage: Wie gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse so zu vermitteln, dass sie verstanden, diskutiert und letztlich gesellschaftlich wirksam werden?
Wissenschaftskommunikation als Teil von Transfer
Wissens- und Technologietransfer endet nicht bei Patenten, Kooperationen oder Ausgründungen. Forschung entfaltet ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn Menschen ihre Bedeutung verstehen und einordnen können. Wissenschaftskommunikation schafft genau diese Verbindung zwischen Forschung und Gesellschaft.
Insbesondere bei Themen wie Rohstoffversorgung, Kreislaufwirtschaft oder nachhaltigen Technologien ist es wichtig, komplexe Zusammenhänge verständlich und greifbar zu machen. Deshalb entwickelt 4transfer Formate, die neue Zielgruppen erreichen und wissenschaftliche Inhalte in unterschiedliche Lebenswelten übersetzen.
Mit „Countdown Freiberg“ wurde dafür bewusst ein ungewöhnlicher Weg gewählt: Wissenschaft wird nicht erklärt, sondern gespielt.
Warum Minecraft?
Dem Projekt ging eine intensive Beschäftigung mit der Zielgruppe voraus. Im Mittelpunkt standen Jugendliche, denn gerade in dieser Lebensphase werden Interessen, Bildungswege und spätere Berufsentscheidungen geprägt. Gleichzeitig tragen junge Menschen als Multiplikator:innen dazu bei, wissenschaftliche Themen in ihre Familien, Freundeskreise und Communities weiterzutragen. Die Analyse zeigte schnell: Wer Jugendliche erreichen möchte, muss dort präsent sein, wo sie ihre Freizeit verbringen. Laut JIM-Studie spielen 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen täglich Videospiele – durchschnittlich 88 Minuten pro Tag. Minecraft gehört dabei über Altersgruppen, Geschlechter und Schulformen hinweg zu den beliebtesten Spielen.
Für 4transfer war dies der Ausgangspunkt, Wissenschaftskommunikation konsequent aus der Perspektive der Zielgruppe zu denken. Gemeinsam mit der Berliner Strategie- und Kreativagentur NORDSONNE IDENTITY entstand die Idee, Forschungsthemen der TU Bergakademie Freiberg in eine spielbare Welt zu übersetzen.
Freiberg wird zur Spielwelt
Im Zentrum des Spiels steht die TU Bergakademie Freiberg als Ressourcenuniversität. Seit ihrer Gründung ist sie eng mit dem Bergbau verbunden und forscht heute an den Rohstoffen und Ressourcen, die für Energiewende, Digitalisierung und nachhaltige Technologien unverzichtbar sind. Dabei bildet die Universität die gesamte Wertschöpfungskette ab, vom nachhaltigen Rohstoffabbau bis zum fertigen Produkt.
Diese Besonderheit wurde zum Ausgangspunkt der Spielwelt.
In „Countdown Freiberg“ erkunden die Spieler:innen digitale Nachbildungen realer Freiberger Orte, darunter das Forschungs- und Lehrbergwerk Reiche Zeche, das Schloss Freudenstein mit der Mineralienausstellung terra mineralia sowie die Spülhalde im Münzbachtal, welche als Forschungshalde in Studium und Forschung eingebunden ist. Statt klassischer Wissensvermittlung erwartet die Spielenden ein challengebasierter Rundgang durch aktuelle Forschungsfragen.
Die Handlung dreht sich um einen instabilen Kristall, der das Gleichgewicht der Region bedroht. Als Teil eines Forschungsteams müssen die Spielenden Materialien analysieren, Entscheidungen treffen, mit virtuellen Charakteren interagieren und Lösungen entwickeln. Insgesamt umfasst das Spiel 13 Quests mit einer Spielzeit von etwa 45 bis 90 Minuten. Wissenschaftliche Inhalte werden dabei unmittelbar in das Gameplay integriert.
Eine zentrale Rolle spielt die Geopolymerforschung der TU Bergakademie Freiberg. Die im Spiel thematisierte Technologie zeigt beispielhaft, wie aus Ziegelreststoffen hochwertige und nahezu vollständig recycelbare Baustoffe entstehen können. Forschung wird so nicht abstrakt vermittelt, sondern als konkrete Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen erfahrbar.
Feierlicher Launch in der Reichen Zeche
Die offizielle Veröffentlichung fand am 24. Juni 2026 in der Reichen Zeche statt, einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Verbindung von Tradition, Forschung und Zukunft an der TU Bergakademie Freiberg steht.
In ihrem Grußwort betonte die Rektorin der TU Bergakademie Freiberg, Prof.in Jutta Emes, die Bedeutung neuer Formate der Wissenschaftskommunikation. Rohstoffe seien Grundlage für Energiewende, Digitalisierung und zahlreiche Technologien unseres Alltags. Umso wichtiger sei es, die Forschung dazu nicht nur zu betreiben, sondern ihre Bedeutung verständlich zu vermitteln. Wissenschaftskommunikation sei deshalb ein wichtiger Teil des Auftrags der Universität. Mit „Countdown Freiberg“ werden neue Wege erprobt, um insbesondere junge Menschen für wissenschaftliche Themen zu begeistern.
Auch Prof. Helmut Mischo, wissenschaftlicher Leiter des Forschungs- und Lehrbergwerks Reiche Zeche und Professor für Rohstoffabbau und Spezialverfahren unter Tage, hob die besondere Verbindung von Tradition und Innovation hervor. Die Idee, die jahrhundertealte Bergbautradition Freibergs mit einem Minecraft-basierten Spiel zu verbinden, habe ihn von Beginn an überzeugt.
Prof. Martin Bertau, Prorektor Forschung und Transfer sowie Direktor des Instituts für Technische Chemie, stellte die im Spiel aufgegriffene Geopolymertechnologie in den Kontext aktueller Forschungsfragen. Ziel sei es, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu ermöglichen und Rohstoffkreisläufe zu schließen. Die Wiederverwertung von Ziegelresten zu hochwertigen Baustoffen sei ein anschauliches Beispiel dafür, wie Forschung nachhaltige Lösungen für die Zukunft entwickelt.
Neue Wege gemeinsam gestalten
Projektkoordinatorin Juliane Gehmlich, welche durch die Veranstaltung führte, gewährte Einblick in die Entstehung des Spiels. Mehr als ein Jahr habe die Entwicklung gedauert, von der Vorbereitung des Ausschreibeverfahrens bis zur Veröffentlichung. Das Projektmanagement setzte auf den Einbezug verschiedenster Stakeholder: Wissenschaftler:innen gaben wertvollen Input für die Forschungsthemen, die Agentur brachte kreative Ideen zu Konzept und Design ein, verknüpfte mit Mapbuildern, Designer:innen und Entwicklern. Auch das Feedback von Jugendlichen wurde von Anfang an eingeholt und in der Entwicklung des Spiels mitgedacht.
Zusammen blickten die im Kernteam Beteiligten in einer Podiumsdiskusstion auf die letzten Monate. Dr. Stephan Meschke, Leiter des Zentrums für Transfer und Gründung sowie Projektleiter von 4transfer, skizzierte den Weg des Projekts von der ersten Idee hin zum Kick-off und dankte dem beteiligten Team für die sehr gute Zusammenarbeit. Viola Meijer von NORDSONNE IDENTITY beschrieb die verschiedenen und komplexen Entwicklungsschritte, von der ersten Konzeptphase über das Map-Building bis hin zur Programmierung und Testphase. Der zugeschaltete Content Creator „Herr Bergmann“, der den begleitenden Film zum Projekt produziert, betonte in einem Online-Statement die besonderen Möglichkeiten von Minecraft als universelle Plattform für kreative und crossmediale Kommunikation. Durch eigene Modifikationen seien sowohl das Spiel als auch die begleitenden Medienformate überhaupt erst möglich geworden. Dr. Anja Solf-Hofbauer, Standortleiterin von 4transfer, unterstrich noch einmal die Notwendigkeit, Wissenschaftskommunikation stärker an den Lebenswelten junger Menschen auszurichten und diese seien heute vor allem digital und online. Deshalb wird das Spiel künftig auch Schulen zur Verfügung stehen und durch eigens entwickelte Unterrichtsmaterialien ergänzt.
Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung
Das Feedback der Gäste zeigte deutlich, dass „Countdown Freiberg“ einen Nerv trifft. Besonders die Verbindung von Bergbau, Rohstoffforschung und Minecraft wurde als überraschend stimmig wahrgenommen.
Für 4transfer ist „Countdown Freiberg“ weit mehr als ein Spiel. Das Projekt zeigt, wie Wissenschaftskommunikation neue Wege gehen kann, um Forschung sichtbar, verständlich und erlebbar zu machen. Es verbindet wissenschaftliche Inhalte mit den digitalen, auf Erleben ausgerichteten Lebenswelten junger Menschen und schafft damit eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Wissens- und Technologietransfer.
Über das Spiel:
„Countdown Freiberg“ ist ein Minecraft-basiertes Wissenschaftsspiel, in dem die Spieler:innen als Teil eines Forschungsteams einen instabilen Kristall untersuchen, der die Region bedroht, und in 13 aufeinander aufbauenden Quests Entscheidungen treffen, Materialien analysieren und mit virtuellen Charakteren interagieren, um Lösungen zu entwickeln. Dabei erkunden sie digitale Nachbildungen realer Freiberger Orte und erleben Forschung zu Themen wie Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft direkt im Gameplay. Das Spiel ist online über einen Server zugänglich, läuft auf gängigen Geräten mit Minecraft und verbindet Story, offene Entscheidungswege und mehrere mögliche Enden zu einem interaktiven Zugang zur Wissenschaft. Als nicht-kommerzielles Bildungsprojekt besteht dabei keine Verbindung zu Mojang Studios oder Microsoft.
Alle Infos sowie Zugang zum Spiel unter countdown.tu-freiberg.de




