Wissens- und Technologietransfer
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum
25.02.2026

Am 24. Februar 2026 fand das achte Gedankenlabor im Landkreis Görlitz statt – zugleich die erste Veranstaltung im Jahr 2026. Unter dem Titel „Wertschätzung als Verwaltungsprinzip – mehr als ein Soft Skill“ widmete sich das Format einer Frage, die für Verwaltungsmodernisierung zentral ist, aber häufig unterschätzt wird:
Welche Rolle spielt Wertschätzung für Wissenstransfer, Führung und Transformation in der öffentlichen Verwaltung?
Ausgangspunkt: Eine einfache, aber wirkungsvolle Frage
Zum Einstieg stand eine bewusst persönliche Reflexionsfrage im Raum:
„Wann haben Sie sich im Arbeitskontext zuletzt wirklich wertgeschätzt gefühlt – und woran haben Sie das gemerkt?“
Die anschließende Diskussion zeigte eindrücklich: Wertschätzung wird unterschiedlich erlebt – als Feedback, als Entscheidungsspielraum, als ernst gemeinte Beteiligung oder schlicht als aufmerksames Zuhören. Gleichzeitig wurde deutlich, dass fehlende Rückmeldungen, unklare Kommunikation oder rein formale Prozesse Motivation und Wissensaustausch spürbar hemmen können.
Damit berührte das Gedankenlabor einen Kernbereich des 4transfer-Projekts:
Nachhaltiger Wissens- und Innovationstransfer gelingt nur auf der Grundlage von Vertrauen.
Theoretische Fundierung und Verwaltungsbezug
Der Impuls verband drei wissenschaftliche Perspektiven mit konkreten Fragestellungen aus der Verwaltungspraxis:
Übertragen auf die Verwaltung bedeutet dies:
Wertschätzung ist keine zusätzliche Maßnahme, sondern eine strukturelle Voraussetzung für Kooperation, Wissensaustausch und Veränderungsfähigkeit.
Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, wachsender Aufgabenkomplexität und steigenden Erwartungen an staatliches Handeln gewinnt diese Perspektive an Bedeutung.
Das Gedankenlabor als Ausdruck institutionalisierter Wertschätzung
In der gemeinsamen Reflexion wurde zudem deutlich, dass das Gedankenlabor selbst bereits Elemente gelebter Wertschätzung enthält:
Diese Strukturmerkmale sind nicht nur methodische Entscheidungen, sondern Ausdruck eines kulturellen Anspruchs: Beteiligung, Transparenz und gegenseitige Anerkennung bilden die Grundlage für Transformationsprozesse.
Damit schließt das Thema unmittelbar an die bisherigen Gedankenlabore an – von der Leitbildentwicklung über Austauschformate und KI-Anwendungen bis hin zum ämterübergreifenden Datenaustausch. Immer wieder zeigte sich: Technische oder organisatorische Lösungen entfalten ihre Wirkung nur dort, wo eine tragfähige Vertrauenskultur besteht.
Anschluss an übergeordnete Initiativen
Das Thema steht zudem im Kontext der Initiative „Wertschätzung im öffentlichen Dienst des Freistaates Sachsen“, die unter anderem die Attraktivität des öffentlichen Dienstes, die Mitarbeitendenbindung sowie die Weiterentwicklung der Führungskultur stärken möchte.
Das Gedankenlabor kann hier als konkreter Baustein auf Landkreisebene verstanden werden, der diese Zielsetzungen praxisnah aufgreift und mit wissenschaftlicher Begleitung reflektiert.
Zentrale Erkenntnis
Eine der prägnantesten Aussagen des Nachmittags lautete:
„Wertschätzung ist kein Add-on. Sie entscheidet darüber, ob Menschen ihr Wissen teilen – oder für sich behalten.“
Damit lässt sich die zentrale Erkenntnis des siebten Gedankenlabors zusammenfassen:
Wertschätzung ist keine „weiche“ Zusatzdimension, sondern eine strategische Ressource für Verwaltungsmodernisierung.
Wer Veränderungsprozesse gestalten möchte, muss neben Strukturen und Technologien auch Beziehungskultur und Vertrauen systematisch mitdenken.

Rico Blei
Wissens- und Technologietransfer
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum