4transfer auf der KM2026 in Lissabon: Partizipative Wissensgovernance in Europa im Fokus

26.06.2026

Conceptual Distinction of Research FrameworksBlei

Mit diesen Fragen beschäftigte sich 4transfer auf der diesjährigen Knowledge Management Conference (KM2026) in Lissabon. Dort präsentierte Rico Blei aktuelle Forschungsergebnisse zur Rolle partizipativer Forschungs- und Innovationsformate in Europa.

Partizipative Forschungsformate – Same same but different…

Formate wie Reallabore, Living Labs oder Citizen Science gewinnen europaweit zunehmend an Bedeutung. Sie sollen gesellschaftliche Herausforderungen wie die digitale Transformation, nachhaltige Entwicklung oder die Modernisierung öffentlicher Verwaltungen durch die aktive Einbindung unterschiedlicher Akteure unterstützen.

In politischen und wissenschaftlichen Debatten werden diese Ansätze jedoch häufig gemeinsam betrachtet oder sogar synonym verwendet. Die Forschungsergebnisse des vorgestellten Beitrags zeigen dagegen, dass sie unterschiedliche Ziele verfolgen und verschiedene Formen der Wissensgenerierung ermöglichen.

Während Reallabore insbesondere auf gesellschaftliche Transformation und regulatorisches Lernen ausgerichtet sind, stehen bei Living Labs nutzerzentrierte Innovationen und Co-Creation-Prozesse im Vordergrund. Citizen Science wiederum erweitert wissenschaftliche Forschung durch die aktive Beteiligung von Bürger:innen an Datenerhebung und Wissensproduktion.

Wissenstransfer als Governance-Aufgabe

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung lautet: Partizipative Forschungsformate sind weit mehr als Methoden zur Beteiligung von Stakeholdern.

Sie stellen eigenständige institutionelle Modelle dar, um Wissen zu erzeugen, zu legitimieren und zwischen Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zu übertragen. Aus Sicht des Wissensmanagements entstehen dadurch unterschiedliche Formen von Transformations-, Innovations- und Governancewissen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt auf der Konferenz die Frage, wie verschiedene europäische Staaten solche Formate organisatorisch und politisch ausgestalten. Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen zentralisierten und dezentralisierten Governance-Modellen.

Länder wie Deutschland oder Österreich setzen verstärkt auf staatlich initiierte und strategisch geförderte Innovations- und Transferstrukturen. In anderen Ländern, beispielsweise Großbritannien oder Dänemark, dominieren stärker projektgetriebene und dezentrale Ansätze. Diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen beeinflussen maßgeblich, wie Wissen entsteht, verbreitet und in praktische Innovationen überführt wird.

Reallabore als Räume für regulatorisches Lernen

Ein besonderer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Rolle von Reallaboren als Instrumente des regulatorischen Lernens. Im Unterschied zu vielen anderen Innovationsformaten dienen Reallabore nicht ausschließlich der Erprobung neuer Technologien oder Dienstleistungen. Sie ermöglichen darüber hinaus die Untersuchung neuer Governance- und Regulierungsansätze unter realen Bedingungen.

Damit können sie einen wichtigen Beitrag leisten, um politische und administrative Entscheidungsprozesse evidenzbasiert weiterzuentwickeln und Innovationen in komplexen gesellschaftlichen Kontexten zu begleiten.

Diese Perspektive knüpft unmittelbar an die Arbeit des Innovationsnetzwerks 4transfer an, das sich mit Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt.

Beitrag zur Forschung und Praxis

Die auf der KM2026 vorgestellten Ergebnisse entstanden im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit von Forschenden des Verbundprojektes 4transfer, der Swansea University sowie des Sächsischen Staatsministeriums des Innern.

Die Untersuchung verdeutlicht, dass erfolgreiche Innovations- und Transferprozesse nicht allein von technologischen Entwicklungen abhängen. Ebenso entscheidend sind geeignete Governance-Strukturen, Beteiligungsformate und institutionelle Rahmenbedingungen, die gemeinsames Lernen und Wissensaustausch ermöglichen.

Veröffentlichung im OJAKM Journal angekündigt

Die Ergebnisse des Konferenzbeitrags werden in Kürze im Online Journal of Applied Knowledge Management (OJAKM) veröffentlicht. Der Artikel analysiert die Unterschiede zwischen Reallaboren, Living Labs und Citizen Science im europäischen Kontext und leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Wissensmanagement, Innovationsgovernance und partizipativer Forschung.

Autor:innen

  • Rico Blei (Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum)
  • Dr. Sandra Dettmer (Swansea University)
  • Lydia Näke (Sächsisches Staatsministerium des Innern)
  • Prof. Dr. Oliver Jokisch (Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum)

Ansprechpersonen

Rico Blei

Wissens- und Technologietransfer

Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

+49 3521 473 753

rico.blei@hsf.sachsen.de