Living Labs als Räume für Innovation und regulatorisches Lernen – 4transfer auf der internationalen Living Labs Conference 2026

09.06.2026

Crispin-I. Mokry

Unter dem Titel „Living Labs as Experimental Spaces for Innovation and Regulatory Learning – Insights from the 4transfer Innovation Network“ präsentierten Rico Blei (Hochschule Meißen), Anja Solf-Hofbauer, Katja Schaldach und Stephan Meschke (TU Bergakademie Freiberg) zentrale Erkenntnisse aus dem im Rahmen von 4transfer entwickelten Weißbuch zu Reallaboren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Reallabore als strukturierte Experimentierräume dazu beitragen können, Innovationen nicht nur technisch zu erproben, sondern gleichzeitig regulatorische, organisatorische und gesellschaftliche Lernprozesse anzustoßen.

Reallabore als Infrastruktur für Transformation

Ausgangspunkt des Vortrags war die Beobachtung, dass aktuelle Transformationsprozesse – etwa im Kontext von Digitalisierung, Automatisierung, nachhaltiger Mobilität oder Künstlicher Intelligenz – zunehmend komplexe Wechselwirkungen zwischen Technologie, Recht, Organisation und Gesellschaft hervorbringen. Innovationen entstehen dabei nicht mehr entlang linearer Entwicklungsprozesse, sondern erfordern Kooperation, Beteiligung und iterative Lernprozesse.

Reallabore bieten hierfür einen geeigneten Rahmen. Sie ermöglichen die gemeinsame Entwicklung und Erprobung neuer Lösungen durch Akteur:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Im Sinne des Quadruple-Helix-Ansatzes entstehen so Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und Innovationen unter realen Bedingungen getestet werden können.

Erkenntnisse aus dem 4transfer-Weißbuch

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Ergebnissen des 4transfer-Weißbuchs zu Reallaboren. Dieses verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit praktischen Erfahrungen aus Transfer- und Innovationsprojekten und formuliert Handlungsempfehlungen für die Konzeption und Umsetzung von Reallaboren.

Dabei zeigt sich, dass erfolgreiche Reallabore weit über die technische Entwicklung von Innovationen hinausgehen. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind unter anderem:

  • die frühzeitige Einbindung relevanter Stakeholder,
  • geeignete Governance- und Koordinationsstrukturen,
  • rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen,
  • systematische Evaluation und Wissensgewinnung sowie
  • leistungsfähige Transferstrukturen zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik.

Praxisbeispiel: Autonome Logistik im öffentlichen Raum

Wie sich diese Anforderungen in der Praxis darstellen, wurde anhand eines Teilprojekts aus dem 4transfer-Netzwerk verdeutlicht. Gegenstand ist die Erprobung eines autonomen Logistikroboters, der Materialien zwischen zwei Unternehmensstandorten transportieren soll. Die Besonderheit: Die Strecke verläuft über eine öffentliche kommunale Straße.

Damit ergeben sich zahlreiche Fragestellungen, die weit über die technische Machbarkeit hinausreichen. Zu klären sind unter anderem Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, Haftungsfragen, Anforderungen an Sicherheit und Überwachung sowie Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Reallabore technologische Entwicklung mit regulatorischem Lernen und organisatorischer Innovation verbinden können.

Internationale Perspektiven und gemeinsame Herausforderungen

Die Konferenz brachte Forschende und Praktiker:innen aus unterschiedlichen Ländern und Anwendungsfeldern zusammen. Trotz der Vielfalt der Themen – von urbaner Klimaanpassung über Bildung bis hin zu Künstlicher Intelligenz und industrieller Innovation – wurde deutlich, dass viele Living-Lab-Initiativen vor ähnlichen Herausforderungen stehen: der Gestaltung erfolgreicher Kooperationen, dem Umgang mit regulatorischen Unsicherheiten und der Frage, wie Erkenntnisse aus Experimenten in Politik und Praxis übertragen werden können.

Ausblick

Die Diskussionen in Aachen haben die zentrale Botschaft des 4transfer-Beitrags bestätigt: Reallabore sind nicht nur Testumgebungen für neue Technologien. Sie sind Lern- und Entwicklungsräume, in denen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft gemeinsam Lösungen für komplexe Zukunftsfragen erarbeiten können.

Mit dem kürzlich veröffentlichten Weißbuch leistet 4transfer einen Beitrag dazu, dieses Potenzial systematisch nutzbar zu machen und Reallabore als Instrument für Innovation, Transfer und gesellschaftliche Transformation weiterzuentwickeln.

Weiterführende Informationen:

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Ansprechpersonen

Rico Blei

Wissens- und Technologietransfer

Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

+49 3521 473 753

rico.blei@hsf.sachsen.de

Dr. Anja Solf-Hofbauer

Standortmanagement

TU Bergakademie Freiberg und 4transferLab

+49 176 213 488 20

solf-hofbauer@4transfer-innovation.de

Dr. Katja Schaldach

Kommunikationsmanagement

4transferLab

+49 176 213 488 22

schaldach@4transfer-innovation.de

Dr. Stephan Meschke

Projektleitung 4transfer

TU Bergakademie Freiberg

+49 3731 39 2209

meschke@4transfer-innovation.de