Reallabore verstetigen – Regionen nachhaltig stärken

05.03.2026

4transfer

Wie können Reallabore ihre Wirkung über einzelne Projekte hinaus entfalten? Und wie gelingt es Regionen, aus zeitlich befristeten Experimenten dauerhafte Innovationsstrukturen zu entwickeln?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der von Lydia Näke (HSF Meißen) und Dr. Thomas Fischer (TU Bergakademie Freiberg) moderierte Thementisch „Strukturen und Verstetigung“ im Rahmen der Regionalpolitischen Jahrestagung 2026 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) am 2. März 2026 in Halle (Saale). Der Workshop „Reallabore als Motor für Innovationen in Regionen – Strategien, Potenziale und Politikgestaltung“ brachte rund 60 Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik zusammen.

Von der Projektidee zur dauerhaften Struktur

Reallabore sind Orte des Experimentierens: Innovationen werden unter realen Bedingungen getestet, regulatorische Spielräume genutzt und neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. Doch häufig stellt sich nach Abschluss einer Förderphase die Frage: Was bleibt?

Die Diskussion am Thementisch machte deutlich, dass Verstetigung kein Automatismus ist. Sie muss frühzeitig strategisch mitgedacht werden. Erfolgreiche Reallabore sind in bestehende regionale Strukturen eingebettet – etwa in Wirtschaftsförderungen, Clusterinitiativen, Hochschulnetzwerke oder kommunale Innovationsstrategien.

Zentrale Erkenntnis: Reallabore entfalten ihre volle Kraft erst dann, wenn sie Teil einer langfristigen Innovationsarchitektur werden.

An bestehende Strukturen anknüpfen

Die Teilnehmenden identifizierten zahlreiche regionale Anknüpfungspunkte, auf denen Reallabore aufbauen können:

  • Wirtschafts- und Clusterstrukturen
  • kommunale und regionale Wirtschaftsförderung
  • Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • Modellregionen und bestehende Netzwerke
  • Landes- und Bundesinitiativen mit Transferauftrag

Statt neue Parallelstrukturen zu schaffen, wurde vielfach dafür plädiert, bestehende Strukturen gezielt weiterzuentwickeln und um Reallabor-Kompetenzen zu ergänzen.

Erfolgsfaktoren für Verstetigung

Im Austausch kristallisierten sich mehrere Handlungsfelder heraus:

1. Strategische Einbettung

Reallabore sollten frühzeitig in regionale Innovationsstrategien integriert werden. Ein „strategisches Dach“ erleichtert Prioritätensetzung, Ressourcenbündelung und politische Rückendeckung.

2. Starke Allianzen

Verstetigung braucht belastbare Kooperationen zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Einzelakteure können Impulse setzen – tragfähig werden Strukturen jedoch nur im Verbund.

3. Rechtliche und administrative Rahmenbedingungen

Diskutiert wurden u. a. Experimentier- und mögliche Standardöffnungsklauseln sowie der Bearbeitungsstand des geplanten Reallabor-Gesetzes. Ebenso wichtig ist ein Mentalitätswandel in der Verwaltung: Reallabore erfordern aktive Mitgestaltung statt rein formaler Genehmigungspraxis.

4. Institutionelle Verankerung und Finanzierung

Geschäftsstellen, Netzwerkstrukturen oder Clusteranbindungen können dazu beitragen, Wissen zu sichern und dauerhaft zugänglich zu machen. Verstetigung bedeutet auch, Ressourcen und Zuständigkeiten klar zu definieren.

Wissen sichern und weitergeben

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem systematischen Wissenstransfer. Reallabore erzeugen wertvolle Erkenntnisse – sowohl technologisch als auch regulatorisch. Damit dieses Wissen wirksam wird, braucht es:

  • klare Zieldefinitionen und messbare Kriterien,
  • frühzeitig definierte Evaluationskonzepte,
  • transparente Dokumentation von Lernprozessen,
  • Strukturen, die Erkenntnisse in Politik und Verwaltung zurückspielen.

Damit knüpfte die Diskussion unmittelbar an das Vorgehen des Reallabor Services an, der praxisorientierte Hinweise zur Planung, Umsetzung und Evaluation von Reallaboren gibt.

Rolle des Reallabore-Innovationsportals

Mehrfach wurde die Rolle des Reallabore-Innovationsportals adressiert. Neben der Informationsbereitstellung sehen die Teilnehmenden Potenzial in einer erweiterten Funktion als:

  • Lotsenstelle für Regionen,
  • Plattform für Best Practices,
  • Vernetzungsraum zwischen Ländern, Kommunen und Bund,
  • Impulsgeber für strategische Weiterentwicklung.

Das Portal könnte so stärker zum Knotenpunkt eines bundesweiten Lern- und Transfernetzwerks werden.

Fazit

Die Diskussion in Halle hat gezeigt: Reallabore sind weit mehr als einzelne Innovationsprojekte. Sie sind Instrumente regionaler Transformationspolitik – vorausgesetzt, sie werden strukturell verankert, strategisch ausgerichtet und institutionell abgesichert.

Für 4transfer bleibt die Verstetigungsfrage ein zentrales Arbeitsfeld. In den kommenden Monaten werden wir ausgewählte Aspekte vertiefen – insbesondere Modelle institutioneller Verankerung, Fragen des Wissenstransfers und die Rolle der Verwaltung als aktive Mitgestalterin von Innovation.

Ansprechpersonen

Lydia Näke

Digitale Verwaltungstransformation

Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

+49 3521 473 752

lydia.naeke@hsf.sachsen.de

Dr. Thomas Fischer

Projektentwicklung

TU Bergakademie Freiberg

+49 3731 39 4395

thomas.fischer@zuv.tu-freiberg.de

Rico Blei

Wissens- und Technologietransfer

Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

+49 3521 473 753

rico.blei@hsf.sachsen.de