Projektleitung 4transfer
TU Bergakademie Freiberg
26.03.2026

Wie können neue Technologien, Verwaltungsprozesse oder Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen erprobt werden – auch dann, wenn bestehende rechtliche Rahmenbedingungen dafür noch nicht ausgelegt sind? Eine mögliche Antwort darauf bieten Reallabore. Sie schaffen Räume, in denen Innovationen gemeinsam von Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung / Politik und Gesellschaft entwickelt, getestet und bewertet werden können. Hierzu haben wir das Weißbuch: „Reallabore im Dienst von Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung / Politik und Gesellschaft – Potenziale und Perspektiven im Rahmen des Reallabore-Gesetzes“ erarbeitet. Die Publikation bündelt wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Entwicklungen und praktische Erfahrungen aus dem Kontext von Transfer, Innovationspolitik und Verwaltungsmodernisierung.
Das Weißbuch wird im Rahmen der Creative Bureaucracy Townhall Saxony am 26. März 2026 vorgestellt und steht ab sofort zum Download zur Verfügung.
Reallabore als Instrument für Innovation und regulatorisches Lernen
Reallabore ermöglichen es, Innovationen unter realen Bedingungen zu testen, ohne dass sie unmittelbar vollständig den bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen unterliegen müssen. Sie fungieren damit als Experimentierräume, in denen neue Technologien, Produkte, Dienstleistungen oder Verwaltungsprozesse erprobt werden können. Dabei entstehen wichtige Erkenntnisse sowohl für die Praxis als auch für die Weiterentwicklung von Regulierung und Politikgestaltung. Im Zentrum steht dabei der sogenannte Quadruple Helix – Ansatz, der die Zusammenarbeit zwischen vier zentralen Akteursgruppen organisiert:
Durch diese Zusammenarbeit entstehen transdisziplinäre Lernprozesse, die Innovationen nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich tragfähig machen können. Reallabore ermöglichen damit kooperative Innovationsprozesse und gesellschaftliche Transformationsprozesse zugleich.
Hintergrund: Politische Dynamik rund um Reallabore
Das Thema Reallabore gewinnt derzeit auch politisch an Bedeutung. In Deutschland befindet sich ein Reallabore-Gesetz im parlamentarischen Prozess, das innovationsfreundlichere und rechtssichere Rahmenbedingungen für die Erprobung neuer Technologien und Geschäftsmodelle schaffen soll. Ziel ist es unter anderem, regulatorisches Lernen zu fördern und Innovationen schneller in die Praxis zu bringen.
Parallel dazu entstehen auf Landes- und kommunaler Ebene neue Instrumente experimenteller Gesetzgebung, beispielsweise in Form von Regelungsbefreiungsgesetzen oder kommunalen Experimentierformaten. Diese Entwicklungen zeigen: Reallabore werden zunehmend als strategisches Instrument für Innovationspolitik und Verwaltungsmodernisierung verstanden.
Inhalte des Weißbuchs
Das Weißbuch bietet eine umfassende Orientierung zum Konzept der Reallabore und richtet sich gezielt an Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung / Politik und Zivilgesellschaft. Im Fokus stehen insbesondere:
Grundlagen und Einordnung
Governance und rechtliche Rahmenbedingungen
Erfolgsfaktoren für Reallabore
Praxisorientierter Leitfaden
Damit verbindet das Weißbuch wissenschaftliche Einordnung, politische Analyse und praktische Orientierung für die Umsetzung von Reallaboren.
Beitrag des 4transfer-Reallabor Service
Der Reallabor Service fungiert als regionale Anlaufstelle für Reallabore in Sachsen. Er unterstützt Akteur:innen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Konzeption von Reallaboren, Vernetzung relevanter Partner:innen sowie der Umsetzung und Evaluation von Experimentierformaten. Während bundesweite Plattformen vor allem Informationen und Netzwerke bereitstellen, arbeitet der Reallabor Service praxisnah und regional verankert, um konkrete Innovationsprojekte vor Ort zu ermöglichen.

Dr. Stephan Meschke
Lydia Näke
Digitale Verwaltungstransformation
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

Dr. Thomas Fischer

Rico Blei
Wissens- und Technologietransfer
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum

Maximilian Schmacht
Innovationsscouting und stellv. Standortmanagement DHSN
Duale Hochschule Sachsen an den Standorten Bautzen und Dresden

Franziska Lorenz