Wissens- und Technologietransfer
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum
25.09.2026

Reallabore gelten als wichtige Instrumente, um gesellschaftliche, technologische und administrative Innovationen unter realen Bedingungen zu erproben. Doch wann entfalten sie tatsächlich Wirkung? Reicht es, ein gutes Beteiligungsformat zu entwickeln oder eine innovative Idee in einem zeitlich begrenzten Experiment zu testen?
Mit dieser Frage war 4transfer auf der Reallaborkonferenz 2026 an der Technischen Hochschule Köln vertreten. Unter dem Titel „Reallabore zwischen Bottom-up und Top-down: Governance als Erfolgsfaktor für Wissens- und Technologietransfer – Erkenntnisse aus dem Vergleich Sachsen–Wales“ stellte Rico Blei einen Fachvortrag vor, der den Reallabor-Ansatz aus einer Governance-Perspektive betrachtet. Prof. Claudia Lubk vertrat 4transfer vor Ort in Leverkusen.
Im Mittelpunkt des Beitrags stand die These, dass Reallabore nicht nur als Beteiligungs- oder Experimentierformate verstanden werden sollten. Vielmehr sind sie Governance-Arrangements, in denen rechtliche Rahmenbedingungen, institutionelle Zuständigkeiten, operative Steuerung und Transferstrukturen zusammenspielen müssen. Entscheidend ist daher nicht allein, ob ein Reallabor eher bottom-up oder top-down entsteht. Entscheidend ist, ob ein Governance-Fit gelingt: die Passung zwischen institutioneller Einbettung, operativer Umsetzung und intermediären Strukturen, die Wissen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung/Politik und Gesellschaft übersetzen.
Der Vergleich zwischen Sachsen und Wales diente dabei als analytischer Ausgangspunkt. Während Wales stärker durch dezentrale, projektbasierte und bottom-up geprägte Living-Lab-Ansätze charakterisiert werden kann, zeigt sich in Sachsen ein stärker strategisch-institutionalisierter Zugang zu Reallaboren als Instrument von Transfer, Verwaltung und Innovationspolitik. Daraus ergibt sich eine zentrale Frage für die weitere Reallaborarbeit: Wie gelangen Erkenntnisse aus zeitlich begrenzten Experimenten zurück in Verwaltungspraxis, politische Steuerung, rechtliche Rahmenbedingungen oder Folgeprojekte?
Diese Frage beschäftigt 4transfer nicht nur konzeptionell, sondern auch ganz praktisch. Einen direkten Anknüpfungspunkt bot die 4transfer Jahreskonferenz 2026 in Meißen. Dort wurde im Workshop „Reallabore als Experimentierräume für Innovation und gesellschaftliche Transformation“ das im 4transfer-Kontext entwickelte Reallabor-Canvas erprobt. Das Canvas wurde entwickelt, um Reallaborideen frühzeitig systematisch zu strukturieren und gemeinsam mit relevanten Akteur:innen zu prüfen.
Begleitet wurde der Workshop von Dr. Stephan Meschke, Dr. Thomas Fischer, Dr. Katja Schaldach, Maximilian Schmacht und Franziska Lorenz aus dem 4transfer-Team sowie von Nancy Schultze von der Sächsischen Staatskanzlei. Gemeinsam mit den Teilnehmenden – vorwiegend Vertreter:innen der sächsischen Verwaltung – wurden Reallaborideen entlang zentraler Fragen bearbeitet: Welches reale Verwaltungs-, Transformations- oder Innovationsproblem soll gelöst werden? Welche Akteur:innen müssen eingebunden werden? Welche rechtlichen oder organisatorischen Hemmnisse bestehen? Welche Risiken müssen berücksichtigt werden? Wie können Evaluation, Transfer und Verstetigung von Beginn an mitgedacht werden?
Damit bildeten Vortrag und Workshop zwei Seiten derselben Fragestellung ab. Die Reallaborkonferenz bot den Raum für die wissenschaftliche und vergleichende Reflexion von Governance-Strukturen. Die 4transfer Jahreskonferenz ermöglichte den Praxistest eines Werkzeugs, das genau diese Governance-Fragen für konkrete Reallaborideen greifbar macht.
Für 4transfer ergibt sich daraus ein klarer nächster Schritt: Der Reallabor-Service soll weiterhin als regionale Anlaufstelle in Sachsen gestärkt werden: als Struktur, die Reallaborideen begleitet, Akteur:innen zusammenbringt, rechtliche und organisatorische Fragen sichtbar macht und Transfer in Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft unterstützt.
Denn eine zentrale Erkenntnis bleibt: Reallabore entfalten ihre Wirkung nicht allein durch Partizipation oder Experimentieren. Entscheidend ist, ob die gewonnenen Erkenntnisse in Governance-Strukturen, Verwaltungsprozesse und Transferarchitekturen zurückgespielt werden können.









Rico Blei
Wissens- und Technologietransfer
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum
Prof. Dr. Claudia Lubk
Co-Projektleitung für 4transfer an der HSF Meißen
Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum